gibt`s ihn doch, den silvretti?

gestern donnerstag 25.8. wars endlich soweit: ein kleines team (karsten lambers,
leandra naef, verf.) hat sich bei nach wie vor besten wetterbedingungen frühmorgens
von der heidelberger hütte aufgemacht, um der silvretta beinahe 20 jahre nach der entdeckung von ötzi 1991 das letzte grosse noch verbliebene geheimnis zu
entlocken: es geht um sog. ice patches, dh. kleinere eisfelder ab ca. 2700 m
höhe, die möglicherweise archäologisches oder auch biologisches material aus
der vergangenheit in sich konserviert haben. um aus den zahlreichen schnee- und
eisfeldern der silvretta die richtigen/besten auszuwählen, hat eine
studentengruppe des landschaftsarchäologieseminars an der uni zürich bereits im
frühjahr nach verschiedenen kriterien eine art priorisiertes „vorhersagemodell“
entwickelt, nach dem wir in den nächsten tagen gezielt ausgewählte gebiete
prospektieren können. gestern waren wir im hintersten fimbertal unterwegs,
haben dabei unterhalb des kronenjochs die fuorcla da tasna überquert (ca. 2850
m) und das gebiet oberhalb vom plan da mattun genauer abgesucht. die dort noch
vorhandenen eisfelder sind teilweise reste von ehemaligen gletschern, teilweise
liegen sie auch zu steil im hang – sie kommen aus unserer sicht als mögliche
funderwartungsgebiete eher nicht in frage. dafür haben wir dann wenig unterhalb
der fuorcla davo dieu (2807 m) eine ideale eisfläche gefunden, die alle
relevanten kriterien erfüllt: unmittelbare nähe zum pass-/kommunikationsweg,
nähe zu sommerlichen jagd- bzw. wildgebieten (die steinböcke und gemsen haben
wir oberhalb gesehen), lage über 2700 m (permafrost), muldensituation/kein
gletscherfluss, exposition/geländeneigung etc. leider lag auf dem eisfeld zu
viel schnee, aber diesen eistresor gilts in jedem fall im auge zu behalten. der
tag war aus unserer sicht also sehr erfolgreich, wir haben gesehen, dass wir
mit unserer methode auf dem richtigen weg sind und einen guten überblick
über lage und morphologie der ice patches bekommen.

vielleicht kommt er ja doch noch, der silvretti?

t. reitmaier

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements

Über silvretta historica

Ein interdisziplinäres und archäologisches Forschungsprojekt des Archäologischen Dienstes Graubünden sowie der Universität Zürich im Silvrettagebirge zur prähistorischen Besiedlungsgeschichte der Alpen, in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.