Grabung der Wüstung „Alp Fenga“ abgeschlossen!

Im Jahre 2008 wurde mit der Freilegung der „Alp Fenga“ begonnen. Es handelt sich dabei um die Überreste eines frühneuzeitlichen – vielleicht auch schon mittelalterlichen – Gebäudes, wie in dieser Zeit üblich aus drei Räumen bestehend. Dabei wurde im grossen Raum Käse gemacht und z.T. gelebt, während die kleineren Räume als Lagerräume für Käse und Butter dienten. Zuerst wurden die überwachsenen Mauerreste von Pflanzen befreit, anschliessend in einem Teil des Hauptraumes und in einem der kleinen Räume der Versturz ausgeräumt. Dabei kam auch ein Fragment einer hölzernen Gebse zum Vorschein, das dendrochronologisch in die Zeit um 1800 datiert wurde. In unmittelbarer Nähe dieses Gebäude ist auch noch ein dazugehöriger Viehpferch erhalten, welcher mit dem Metalldetektor abgesucht wurde.
Letztes Jahr wurde dann beschlossen noch den dritten und letzten Raum komplett auszugraben. Nachdem zuerst erneut einige Tage Mauerversturz ausgeräumt wurde, begann das eigentliche Abtragen der Bodenschichten. Gegen Ende der Grabungskampagne zeigte sich eine gelbe lehmige Schicht: der gewachsene Boden. Perfekt, Timing ist alles. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt… Sicherheitshalber wurde beschlossen, einen Teil dieser Schicht abzutragen. Prompt zeigte sich darunter grauer Lehm mit Holzkohleeinschlüssen – eine schöne Bescherung war das. Aus Zeitgründen konnten wir die Ausgrabung erst dieses Jahr abschliessen. Nach vier Tagen sorgfältigen Freilegens der Schichten stiessen wir auf den nackten Fels – da bleiben keine Zweifel offen, wir sind ganz unten!
Nun erschliesst sich uns der Aufbau und die Nutzung um einiges klarer als letztes Jahr: Offenbar wurde vor dem Bau der Hütte die Erde komplett entfernt – die Schichten, die menschlichen Einfluss zeigen, liegen direkt auf dem anstehenden Gestein. Anschliessend wurde (vielleicht auch in einer späteren Nutzungsphase) der unebene Boden wieder ausplaniert, später vielleicht sogar ein erneuter Boden aus dem oben erwähnten gelben Lehm eingezogen. Am Raumeingang fand sich eine gut erhaltene massive Türschwelle aus Holz, die mit etwas Glück auch noch dendrochronologisch datiert werden kann. Ausserdem fand sich in einer Ecke eine ungemauerte Feuerstelle – was in einem kühlen Lagerraum eigentlich keinen Sinn macht – eine Frage, der man bei der Auswertung sicher noch nachgehen wird. Am Schluss zeigten sich sogar noch zwei Pfostenlöcher, welche in den Fels eingetieft worden waren und von denen eines zur Hälfte unter der raumteilenden Mauer lag – vielleicht ein älterer Vorgängerbau? Die Funde waren allerdings eher spärlich. Neben etlichen Holzresten, die sich im feuchten Boden erhalten hatten, traten zahlreiche Nägel, ein Knopf, ein Stück Bergkristall und ein Stück Glas zutage. Keramik wurde kein einziges Stück gefunden – offenbar bestanden die Gefässe damals alle aus Holz. Besonders ist eine Münze, deren Datierung uns hoffentlich ebenfalls noch bei der genaueren zeitlichen Einordnung helfen wird…

Daniel Möckli & Monika Oberhänsli

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Über silvretta historica

Ein interdisziplinäres und archäologisches Forschungsprojekt des Archäologischen Dienstes Graubünden sowie der Universität Zürich im Silvrettagebirge zur prähistorischen Besiedlungsgeschichte der Alpen, in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland.
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