Spezielle Typen – Böden im Hochgebirge

Geographen und Archäologen haben vieles gemeinsam, u.a. eine gewisse Affinität zum Boden. Im Rahmen des Silvretta-Projektes der Universitäten Bamberg, Innsbruck und Zürich möchte ich zusätzlich zu den bereits bestehenden archäologischen und pollenkundlichen Analysen die Böden entlang des Fimba-Tals in der Silvrettavon der Waldgrenze bis in die hochalpine Stufe näher untersuchen, um anhand von Merkmalen der Bodenprofile Rückschlüsse auf die Prozesse, welche die Entwicklung des Bodens dominiert haben, zu ziehen, und somit einen weiteren Beitrag zur Klima- und Landschaftsrekonstruktion zu leisten. Dazu fahre ich für eine Woche auf die Heidelberger Hütte und führe einige Testsondierungen und Profilanalysen durch. Bewaffnet mit Bohrgestänge, Spaten, Geologen-Hammer und Kelle steige ich zunächstauf bis auf 2550 m, immer auf der Suche nach geeigneten, bodenprofiltauglichen Plätzen. Salzsäure für den Karbonattest und ein Kompass bzw. GPS dürfen nicht fehlen, da sich der Geograph an sich ja gern einmal verirrt. Die ersten Sondierungen verlaufen mühsam, lästiges Gestein (warum gibt es im Gebirge bloß so viel davon) versperrt mir den Weg in die Tiefe. Dann aber erste Erfolge: die Profile weisen klare Horizonte auf, so dass ich mit einer intensiveren Bestimmung von Bodenmerkmalen, z.B. der Bodenfarbe, fortfahre. Light brownishgrey oder light yellowishbrown, das ist hier die Frage.Die Eignung von Munsell wird hierbei mehrmalig bezweifelt. Zunächst misstrauisch beäugt, dann neugierig beschnuppert von einer Dreier-Kuhgruppelege ich ein Profil in der Nähe der Heidelberger Hütte an. Hier ist der Bodenaufbau komplett anders als zuvor, also stecken auch völlig andere Entwicklungsprozesse dahinter. Spannend, so hamma’s gern! In der weiteren Zeit begleitet mich Connie aus Thomas‘ Team, der mit großer Ausdauer und Geschwindigkeit den Schneckenbohrer in die Erde dreht. Danke! Dabei wird auch mal ein Murmeltierbau durchlöchert, Beschwerden der Bewohner kamen aber nicht auf … Geländearbeiten im Hochgebirge wecken einen ständigenunermesslichen Appetit. Gegen allzu großen Hunger hilft dann ab und zu auch einmal eine Taschenmesserspitze aus dem B-Horizont. Schmeckt sehr sandig und knirscht schön zwischen den Zähnen. Genaueres über die Korngrößenverteilung (Ton, Schluff, Sand, schluffiger Ton, sandiger Schluff …) kann dann aber erst im Labor erfolgen. Dort werde ich neben bodenphysikalischen Parametern wie besagten Korngrößenauch chemische Größen wie pH-Wert, C-/N-Gehalt und Eisen, untersuchen. Nächstes Jahr soll es dann ins Val Tasna/Urschai gehen, um auch das Untersuchungsgebiet der Silvretta-Südseite abzudecken. Dann geht’s den dortigen Böden an den Kragen bzw. an die Horizonte.

Katja Kothieringer

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Über silvretta historica

Ein interdisziplinäres und archäologisches Forschungsprojekt des Archäologischen Dienstes Graubünden sowie der Universität Zürich im Silvrettagebirge zur prähistorischen Besiedlungsgeschichte der Alpen, in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland.
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