Auf der Jagd nach dem perfekten Profil

Als Bamberger Praktikanten der Informationsverarbeitung in der Geoarchäologie hatten wir beide die Gelegenheit, in die meisten der in der Silvretta laufenden Projekte hinein zu schnuppern.

Zusammen mit Christoph machten wir uns auf, die bislang noch grauen, ununtersuchten Flecken der Karte mit archäologischen Informationen zu füttern. Auf unseren Feldbegehungen über hoch gelegene Alpweiden gelang uns die Entdeckung einiger Viehpferche, Hütten und Abrissituationen. Während uns selbst in der luftigen Höhe von 2500 Metern noch Kühe, Retro-Limodosen und Zahnpastatuben begegneten, gab es auch weniger erfolgreiche Touren. Im Gelände um Sent offenbarten sich uns keinerlei Spuren menschlicher Aktivität, wenn man von einem modernen  Jagdunterstand absieht. Die Gefährdung mancher Fundstellen war offensichtlich – in einem neuzeitlichen Hüttenbefund etwa grasten Kühe, was die Foto- und Zeichendokumentation nicht einfacher gestaltete.

Für uns völlig neues Terrain betraten wir bei der Entnahme der Bohrkerne zur Sediment- und Pollenanalyse. Zunächst galt es, die wohldurchdachte Rohrkonstruktion per pedes an den Einsatzort zu bringen. Nach ausführlichen Sondagen entschied man sich für eine Entnahmestelle in sumpfigem Gelände. Für das kräftezehrende Einhämmern des Bohrers  wurde das Team beim Anblick der Bohrkerne entschädigt – aus einem lugten sogar Holzreste hervor.

Neben den Archäologen, Geomorphologen, Geologen  und Archäobotanikern war eine weitere Projektgruppe am Werk: Das Team um die Geographin Katja.

Sie hatte es sich zum Ziel gesetzt, an möglichst vielen topographisch interessanten Stellen Bodenprofile anzulegen. So wollte sie umfassende Informationen zur Entstehungsgeschichte der in Val Tasna und Val Urschai vorkommenden Böden gewinnen. Dabei waren für sie sowohl unmittelbar durch den Menschen verursachte Spuren wie Brandschichten von Interesse als auch natürlich gewachsene Böden sowie Bodenverlagerungen, die Kolluvien.  Auf der Jagd nach dem perfekten  Profil  gruben wir uns mit ihr einmal quer durch beide Täler und erwanderten Gebiete von 1800 bis auf 2500 Höhenmeter hinauf.

Während sich uns der  offensichtlich menschenscheue Podsol kaum zeigen wollte, gelang es uns immerhin, einige größere Brandschichten und, bei einer harten Tour entlang eines sehr steilen Waldhanges, auch eine ordentliche Portion Pfifferlinge zu finden. Die geborgenen Holzkohlestücke sollen, sobald sich ein edler Förderer gefunden hat, dendro- und C14-datiert werden – die Pfifferlinge wurden bereits einem gerechten Zweck zugeführt.

Während unserer Zeit in der Silvretta stand nicht immer die Arbeit im Vordergrund. Als Rahmenprogramm unternahmen wir interessante Wanderungen, die uns die Landschaft und die archäologische Befunde näherbrachten.  Wir besichtigten die Icepatches, wagten uns auf den Futschöl-Pass, besichtigten Schloss Tarasp und die Kirche in Lavin. Ausklingen ließen wir das Praktikum auf Schweizer Seite mit einem angenehmen Aufenthalt in der Therme zu Scuol, bevor die Arbeiten dann auf Österreichischem Boden fortgesetzt werden.

Elke und Mario, Studierende Univ. Bamberg

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Über silvretta historica

Ein interdisziplinäres und archäologisches Forschungsprojekt des Archäologischen Dienstes Graubünden sowie der Universität Zürich im Silvrettagebirge zur prähistorischen Besiedlungsgeschichte der Alpen, in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland.
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